Die Kunst des Glücks – Erkenntnisse der positiven Psychologie

Leidensminderung steht meist stärker im Fokus als die Lebenszufriedenheit zu erhöhen

Wenn wir unser Leben betrachten und uns hin und wieder fragen, wie zufrieden wir sind, so sind viele von uns zufrieden, wenn wir uns aktuell in keiner „Leidens-Situation“ befinden. Gibt es etwas, das uns stört, uns Schmerzen verursacht oder irgendwie Leid zufügt, so investieren wir viel Energie dieses Unwohlsein aus der Welt zu schaffen. Läuft hingegen soweit alles gut, fragen wir uns kaum was wir täglich dafür tun können um unser Glück zu „kultivieren“ – d.h. es aufrecht zu erhalten oder zu vermehren. Die positive Psychologie beschäftigt sich mit genau diesen Möglichkeiten, von denen wir einige am Freitagnachmittag gemeinsam ausprobierten.

 

Was ist Glück?

Dabei stellten wir fest, dass ein lang anhaltendes Glücks- bzw. Zufriedenheitsgefühl selten durch äußere Umstände, Güter oder Genussmittel hervorgerufen wird, sondern ein innerer Zustand ist. Glückliche Menschen nehmen deutlich häufiger positive Eindrücke wahr, als negative. Besonders glückliche Menschen erleben – laut aktuellen Forschungsergebnissen – mind. 3mal mehr positive Eindrücke als negative. Die Betonung liegt hier auf dem Erleben – sie haben nicht objektiv mehr positive Eindrücke, die Aufmerksamkeit ist jedoch mehr darauf gerichtet.
Für das Überleben der Menschheit ist es durchaus von Bedeutung negative Informationen (also eventuelle Bedrohungen oder Gefahren) besser abzuspeichern als positive. Dieses bessere Abspeichern negativer Information begleitet uns auch in unserer aktuellen Gesellschaft, obwohl es in den wenigsten Situationen tatsächlich notwendig ist. Daher braucht es ein besonderes und v.a. bewusstes Augenmerk auf die positiven Dinge im Leben.

 

Wege zum Glück

Um dem positiven Blickwinkel im Leben einen fixen Bestandteil zu geben gibt es verschiedene Wege und Übungen:
Eine der bekanntesten Übungen stellt die Kultivierung von Dankbarkeit dar. Dafür eignet sich z.B. ein Dankbarkeits-Tagebuch, in dem am Abend vorm Einschlafen mind. drei Punkte notiert werden, für die man am vergangenen Tag dankbar ist. Man kann Dankbarkeit auch direkt zum Ausdruck bringen z.B. in dem man sich bei jemandem aktiv und bewusst persönlich bedankt. Oder eine dritte Möglichkeit wäre, jemandem einen Dankbarkeits-Brief zu schreiben. David Steindl-Rast meint zum Thema Dankbarkeit: „Wir sind niemals weiter als einen dankbaren Gedanken vom Frieden in unseren Herzen entfernt.“

Eine erweiterte Form des Dankbarkeits-Tagebuches sind die 4-Abend-Fragen:

1) Worüber konnte ich mich heute freuen?
2) Wofür und wem kann ich heute dankbar sein?
3) Wo habe ich mich heute lebendig gefühlt?
4) Wo konnte ich heute meine Stärken ausleben?

5 gute Taten am Tag“ sind ebenfalls eine Möglichkeit zum Glück. Jemand anderen oder auch ganz bewusst sich selbst etwas Gutes tun, verbreitet nicht nur die Freude sonder macht auch glücklich. Die Wirkung dieser Technik probierten wir gleich aus und stellten fest, wie schön es sein kann, anderen z.B. Komplimente zu machen bzw. ihnen zu sagen was man an ihnen toll findet.

Auch im Auskosten positiver Gefühle liegt ein Weg zum Glück. Schöne Momente ziehen manchmal zu schnell an uns vorüber ohne dass wir bemerken wie kostbar und wertvoll sie sind. Daher ist es hilfreich diese Momente, sobald sie da sind, voll und ganz wahrzunehmen und auszukosten. Meist ist das Festhalten-Wollen mit dem Handy dabei wenig hilfreich. Ein gutes Modell oder Vorbild können uns Kinder dafür sein. Auch als Erwachsener kann es manchmal beflügelnd sein, hin und wieder „verrückt“ zu sein und z.B. wild auf einem Trampolin zu hüpfen, hoch zu schaukeln oder große Seifenblasen in die Luft steigen zu lassen.

Positive Psychologie bedeutet jedoch nicht, negative Gefühle auszublenden oder schön reden zu wollen. Klug mit negativen Emotionen umzugehen ist ebenfalls eine Eigenschaft glücklicher Menschen – sie nehmen auch negative Emotionen im Leben an, schauen ihnen ins Gesicht und finden kreative und kluge Wege mit ihnen konstruktiv umzugehen.

Nicht zuletzt ist es eine weitere Möglichkeit, positive Emotionen bewusst zu fördern. Dies geschieht ganz einfach z.B. mit einem Lächeln, einer lustigen Wortmeldung oder – wenn es die Situation erlaubt – mit einem unterstützenden sich die Hände reichen oder einer lieben Umarmung.

Besonders glückliche Menschen blicken meist optimistisch in die Zukunft, vergleichen sich wenig mit anderen, setzen sich mit ihren Lebenszielen auseinander und stellen sich Sinnfragen, d.h. sie überlegen u.a. was sie ganz persönlich dazu beitragen können, die Welt ein kleines Stück besser zu machen. Sie erleben zudem ein inneres Gefühl, dass das Leben gut und lebenswert ist und haben diese Weisheit verinnerlicht:

„Wie es auch sei, das Leben, es ist gut.“ (J. W. von Goethe)

Mag. Barbara Lamm

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